Eine Meiningerin zwischen den Welten

Julia und HiruniDie gebürtige Meiningerin Julia Fischer war gerade auf Heimaturlaub in Gerthausen bei ihren Eltern. Seit sieben Jahren lebt die junge Frau in Sri Lanka und betreibt dort mit ihrem Partner ein Kinderheim für verarmte und vernachlässigte Mädchen. Hier erzählt sie davon. Wenn ich in Deutschland zu Besuch bin, wird mir immer bewusst, dass ich mich weder

hier noch in Sri Lanka so richtig zu Hause fühle. Es ist ein Leben zwischen den Welten. Wenn ich in Deutschland bin, vermisse ich Sri Lanka und umgekehrt.

Ich habe gelernt, meine Heimat mit singhalesischen Augen zu betrachten und vieles kommt mir deshalb fremd und unwichtig vor. Diese Gedanken habe ich auch in meinem Tagebuch auf unserer Homepage verarbeitet, in dem ich beschreibe, wie sich eines unserer Mädchen bei einem Deutschlandurlaub fühlen würde. Angefangen von Toilettenpapier, über freizügige Kleidung, bis hin zu Kochbeutelreis würde sie viele Sachen merkwürdig finden ...

Trotzdem habe ich meinen fast zweimonatigen Urlaub in Deutschland sehr genossen. Es ist toll, Familienmitglieder und alte Freunde wiederzusehen, Zeit mit ihnen zu verbringen und gute Gespräche zu führen. In Sri Lanka haben mein Partner Frank Lieneke und ich kaum soziale Kontakte, die man als Freundschaften bezeichnen könnte, was das Leben dort sehr eintönig und zu einer großen Herausforderung macht. Nichtsdestotrotz lieben wir unsere Arbeit und sind sehr stolz darauf, was wir in den vergangenen Jahren alles erreichen konnten.

Mittlerweile sorgen wir dafür, dass 58 Mädchen im Alter von fünf bis 18 Jahren Tag für Tag ein Dach über dem Kopf, liebevolle Betreuung, eine ausgewogene Ernährung sowie angemessene Bildung erhalten. Unglaublich, dass wir das allein durch Spendengelder finanzieren können.Baustelle Juli 2014 Dank des enormen Zuspruchs und der gestiegenen Einnahmen in den vergangenen Jahren haben wir uns dazu entschieden, einen weiteren Schritt Richtung Zukunftssicherung für unsere Mädchen zu gehen. Vor einem Jahr haben wir das Nachbargrundstück unseres Kinderheims Angels Home for Children in Marawila/Sri Lanka gekauft und dort vorerst einen großen Obst- und Gemüsegarten zur Eigenversorgung der Einrichtung betrieben. Vor einigen Tagen hat Frank gemeinsam mit einem einheimischen Bautrupp begonnen, das Gebäude für unsere zukünftigen Ausbildungsstätten hochzuziehen. Dort sollen Mädchen und junge Frauen ohne schulische Perspektive eine berufliche Ausbildung erhalten, mit der sie später zum Lebensunterhalt der eigenen Familie beitragen können. Wir möchten uns hauptsächlich auf die Interessen der Mädchen konzentrieren, die auch in Sri Lanka im Bereich Kosmetik, Hair-Styling, Schneidern und Blumenbinden liegen.

Als gebürtige Meiningerin bin ich auf meine Heimatstadt und die Menschen in der Umgebung besonders stolz, weil wir hier in den vergangenen Jahren eine kleine Lobby aufbauen konnten, die uns tatkräftig unterstützt.

So hatten wir dank des Freundeskreises "Kinderhilfe für Sri Lanka" schon zahlreiche kulturelle Veranstaltungen, Versteigerungen, Ausstellungen und Verkaufsstände sowie Spendensammlungen, die zugunsten unseres Kinderheims stattfanden. Wir sind den vielen Unterstützern sehr dankbar für ihre Hilfe.

Immer wieder gibt es Verbindungen zu meiner Heimatstadt. Erst kürzlich habe ich in Sri Lanka das Happy-Video der Modern Style Dancers aus Meiningen entdeckt, welches uns so sehr gefallen und inspiriert hat, dass wir unser eigenes Happy-Video im Angels Home und in Marawila produziert haben. Genauso glücklich, wie unsere Mädchen auch im Alltag bei uns sind, präsentieren sie sich in diesem Video, welches von einer ehemaligen Praktikantin gedreht und geschnitten wurde. Zu sehen ist es im Internet ww.youtube.com/watch?v=U-GlWtus8W8.

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