Mädchen sollen eine Zukunft haben


Lengerich - 

Nach dem Tsunami Ende 2004 wollte der Lengericher Frank Lieneke den Opfern der Flutkatastrophe in Sri Lanka helfen. Nach acht Jahren ist er immer noch auf der Insel. Er leitet ein Kinderheim für Mädchen. Nun hat er neue Pläne.

Der gebürtige Lengericher Frank Lieneke lebt seit fast acht Jahren in Sri Lanka. Er leitet in dem Inselstaat im Indischen Ozean gemeinsam mit seiner Partnerin Julia Fischer ein Kinderheim für Mädchen. Nun plant sein Verein Dry Lands Project einen weiteren großen Schritt. Angefangen hat alles ganz klein.

Kurz nach der Tsunami-Katastrophe im Dezember 2004 entschied sich Frank Lieneke, in Sri Lanka den zahlreichen Flutopfern zu helfen. 

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Er war einer von vielen, die sich spontan dazu bereit erklärten, Hilfsgüter zu verteilen. Mittlerweile ist er nach eigenen Angaben jedoch einer der wenigen, die bis heute auf der Insel geblieben sind und „täglich den schwierigen Kampf aufnehmen, in einem von Armut und Korruption geprägten Land etwas für Kinder zu bewegen“.

Seit 2007 erhält er dabei tatkräftige Unterstützung von der Thüringerin Julia Fischer.

Die beiden leiten das Kinderheim in Marawila an der Westküste der Insel. Das „Angels Home for Children“ wurde zunächst in einem Mietobjekt mit Kapazitäten für 20 Kinder realisiert. Mittlerweile konnte der Verein durch die Unterstützung zahlreicher Pateneltern und Privatsponsoren – viele von ihnen aus Lengerich und Umgebung – ein eigenes Grundstück erwerben und dort einen Neubau für das Heim errichten.

Momentan, so Frank Lieneke, leben 50 Mädchen im Alter von fünf bis 17 Jahren in der Einrichtung. Sie alle kommen aus armen Familienverhältnissen, einige sind Halb- oder Vollwaisen. „Im Angels Home bekommen sie neben einer liebevollen Betreuung durch einheimisches Pflegepersonal und Praktikantinnen aus Deutschland auch die Möglichkeit, verschiedene Nachhilfeangebote zu nutzen und in ihrer Freizeit einfach Kind zu sein – eine Selbstverständlichkeit, die in ihrem vorherigen Leben oftmals fehlte“, erzählt Julia Fischer.

Aufgrund ihrer schwierigen und teilweise traumatischen Vergangenheit fällt es den meisten von ihnen schwer, sich auf den Unterricht zu konzentrieren und gute Leistungen in der Schule zu erbringen. Dafür sind sie handwerklich sehr begabt und erfüllen ihre häuslichen Pflichten mit viel Hingabe und Genauigkeit. Um dieses Potenzial zu nutzen und die Arbeit des Vereins noch nachhaltiger zu machen, wurde vor einigen Wochen eine neue Projektidee geboren.

Dafür wollen Julia Fischer und Frank Lieneke ein 4000 Quadratmeter großes Nachbargrundstück erwerben. Einen Teil des Landes könnte vorerst ohne viel Geld und Aufwand als Gemüsegarten für die Versorgung des Kinderheims genutzt werden. Langfristig sollen zusätzliche Ausbildungsstätten samt Unterkünften entstehen, in denen in erster Linie Mädchen aus dem Heim, aber auch junge Frauen von außerhalb die Möglichkeit bekommen sollen, verschiedene Handwerke zu erlernen. Ziel soll es sein, den Einstieg in den normalen Arbeitsmarkt zu erleichtern. Zudem könnte eine kleine Verkaufshalle entstehen, in der unter anderem die von den Mädchen gefertigten Produkte verkauft werden.

Ein Vorhaben, das das Duo aus Deutschland für „ein gut durchdachtes und nachhaltiges Zukunftsprojekt“ hält. Nun gilt es zunächst einmal, rund 55 000 Euro für das Grundstück aufzubringen. „Dabei zählt jede noch so kleine Spende und auch Lengericher Unternehmen könnten überlegen, ob und in welcher Form sie einen Beitrag leisten möchten“, hofft Frank Lieneke auf Unterstützung aus seiner alten Heimat.

Dry Lands Project e.V., Stichwort: Ausbildungsstätte, Stadtsparkasse Lengerich, Konto-Nummer 109 87 22, BLZ 401 544 76