Konzert öffnete Herzen.


Das Benefiz-Konzert für die Kinder von "Dry Lands Projekt" in Marawila/Sri Lanka, war nicht nur künstlerisch ein Leckerbissen. Es zeigte auch, wie Herzen sich öffnen und wie Menschen anderen Menschen helfen.

Meiningen- Sonntag-Nachmittag im Hotel "Sächsischer Hof". Rolf Baumann, seine Kinder Lisa-Marie und Ronny, Kayleigh Grimm, Wolfgang Heurich, Wen Chen Theile und die Familie von Julia Fischer, die in dem Heim für verwaiste Mädchen imn Marwila unweit der Hauptstadt Colombo in Sri Lanka ehrenamtlich arbeitet, haben etwas Großartiges organisiert:

Ein Benefiz-Nachmittag mit internationalen Künstlern und einer Live-Übertragung aus Marawila. Dort saßen - zusammen mit einigen der insgesamt 50 Mädchen - Julia Fischer und der künftige Meininger Bürgermeister Fabian Giesder. Die Verbindung über die webcam war nicht die beste. Aber worauf es ankam, konnte man verstehen.

Dann wurde der Wunderkoffer aus Sri Lanka - unter Anleitung der jungen Moderatorinnen Lisa-Marie und Kayleigh versteigert wurdeDann wurde der Wunderkoffer aus Sri Lanka - unter Anleitung der jungen Moderatorinnen Lisa-Marie und Kayleigh versteigert wurde. Als man bei 130 Euro angekommen war, sagte er: "Wenn jemand 150 bietet, spende ich die 130 dazu". So geschah es dann auch. Der Koffer, in dem landestypische Spezialitäten steckten, wurde von Janine Merz für 150 Euro ersteigert. Insgesamt, so informierte Rolf Baumann, seien am Sonntag-Nachmittag schon 1000 Euro Spenden gesammelt worden. Aber das wäre noch nicht alles. Viele Freunde und Förderer, die nicht dabei sein konnten, haben noch Spenden angekündigt. Er rechnet noch mit einigen hundert Euro.

Ohrenschmaus

In dem Programm, das von Meredith Nicoll und Bryan Rothfuss gesanglich getragen und von Sierd Quarrè, dem Leiter des Meininger Theaterchores, am Klavier begleitet wurde, war ein Ohrenschmaus. In drei Blöcken wurden Melodien aus der "Fledermaus", "Die Csardasfürstin" und die Arie "Der Waffenschmied" und der "Vogelhändler" geboten. Im dritten Teil des Musik-Programms trat das Trio "noCorosion" mit Sierd Quarrè, Cordula Rochter und Rosica Vogel auf. Umwerfende szenische und gesangliche Aufführungen haben viel Beifall eingefahren. Cordula Richter sagte am Schluss:

"Ja, das wollten wir, wir wollten den Menschen hier im Saal einfach Freude bringen, damit sie mal für einige Stunden den Alltag vergessen können". Das haben sie geschafft. Die Künstler haben Freude gespendet - mit all ihren wunderbaren musikalischen, tänzerischen und gesanglichen Darbietungen. Und sie haben damit eine halbe Tages-Gage in den Spendentopf geworfen. Weil der Saal des Hauses kostenlos zur Verfügung stand - also auch eine Spende - kann das Geld nun eins zu eins weitergereicht werden. Und das hatte Wolfgang Heurich zu Beginn ja versprochen. Die Gelder gehen direkt in das Heim. Das sei garantiert.

Vortrag

Besonders interessant war dann der kleine Vortrag der Studentin Lisa Bartelmann. Sie war im Rahmen eines Praktikums zehn Wochen lang in Marawila. Mit Bildern und ihren Erfahrungen erklärte sie den anwesenden Paten-Eltern und Spendern hier in Meiningen, warum dort Mädchen ins Heim kommen. Weil das Wohl und Wehe einer Familie vom Mann, vom Vater, abhängt. Verlässt er die Familie, sei eine Mutter nicht überlebensfähig. Sie sprach auch von diskriminierenden Verhältnissen Frauen gegenüber, erheiterte die Gäste des Benefiz-Konzertes mit wunderbaren Anekdoten.

So erzählte sie, wie die Mädels dort begeistert waren von Feuchttüchern, die Lisa Bartelmann dann aus Scham über die unvoreingenommene Freude und Unkenntnis der Mädchen halt einfach "Wundertücher" nannte. Sie berichtete, wie die Mädchen sich mit riesigem Spaß schminkten und einfach nur selig waren, wenn sie lesen und puzzeln konnten. Sie seien wissenshungrig, in einem Ausmaß, das wir nicht mehr kennen. Bis hin zur Erschöpfung lernen die Mädchen und jungen Frauen, schlafen über Büchern ein. Und deshalb wolle man ihnen eine Chance geben:

Mit einer guten Ausbildung, mit Liebe und Wärme - damit sie sich behaupten können. Sie habe miterlebt, wie Julia Fischer auch oft verzweifelt ist. Nämlich dann, wenn sie erfahren muss, dass wieder eine Frau scheiterte. "Da kann man so negative Gedanken haben wie man will. Schaut man in die strahlenden, offenen Gesichter, dann weiß man sofort wieder, warum man das macht". Julia und ihr Frank bekommen "so viele Steine in den Weg gelegt. Aber sie halten durch und kommen jeden Tag wieder und geben 100 Prozent". Das war angekommen, wie der Applaus und die Spenden zeigten.