Im Kinderheim auf Sri Lanka. 16.07.2011

Die Berghülerin Simone Schöll hat drei Monate lang in Sri Lanka im Kinderheim gearbeitet. Eine kurze, aber prägende Zeit, die ihr tief greifende Erkenntnisse brachte, wie die 20-Jährige sagt.

Simone Schöll, eine selbstbewusste 20-jährige Berghülerin, kennt die Kehrseite der Medaille "Wohlstandsgesellschaft":

Sie weiß um das Gefühl der Angst, die ihr den Mund verschließt, wo sie sonst selbstbewusst kontert, um die Erniedrigung, die man empfindet, wird man als Fremde angestarrt. Die junge Frau hat erkannt, dass mit "Müll" durchaus noch etwas anzufangen ist, dass man der Armut oftmals nur hilflos gegenüber steht kann und höchstens im Kleinen etwas bewirkt. Das sind Erfahrungen, welche Simone Schöll in Sri Lanka gemacht hat, wo sie ein Vierteljahr lang in einem Kinderheim als Praktikantin tätig war. "Das sind Erfahrungen, die mich lange nicht los lassen werden und für mich auch prägend waren", sagt sie. So sei sie wesentlich gelassener, schätze jetzt die Annehmlichkeiten ihres Lebens hier wesentlich mehr. Will sie ihre Erfahrungen anderen Personen in ihrem Umfeld näher bringen, stößt sie jedoch auch auf Verschlossenheit: "Freilich hören die Leute mir zu, aber ich habe das Gefühl, meine Botschaften kommen nicht wirklich an", sinniert sie. Die Menschen hier verstrickten sich in ihren kleinen Kosmos mit Problemen und Zeitdruck und jammerten viel.

Da hätten ihr die Kinder und Menschen in Sri Lanka einiges vorgemacht: "Die Leute dort sind freier, setzen sich dem Zeitdruck nicht aus und wirken äußerst zufrieden." Die tatsächliche Diskrepanz beider Mentalitäten beschreibt sie in ihrem Erfahrungsbericht auf der Internetseite von Dry Lands Project, für welches sie gearbeitet hat: "Dieses nahezu fehlende Gefühl für Zeit, die stete freundliche Art, die chaotische Organisation, das kann einen schon mal fast aggressiv machen." Aufgewogen habe dies jedoch die vielen kleinen Erlebnisse. So, wenn ein fünfjähriges Mädchen sich nach Wochen der Zurückhaltung in ihre Arme schmiegt, Teenager ihre heimlichen Gedanken mit ihr teilen. "Die gesellschaftlichen Normen sind sehr streng", erklärt die künftige Studentin, es gebe Rockpflicht und ziemlich geschlossene Dekolletéausschnitte für Frauen, geringen Kontakt für junge Leute zum anderen Geschlecht.

Zurück zum Anfang: "Nach dem Abitur möchte ich im Ausland Entwicklungshilfe machen", war das erklärte Ziel von Simone Schöll. Schwierig sei es gewesen, das für sie passende Projekt zu finden. "Es sollte ohne religiösen Hintergrund sein, dazu bin ich nicht tief genug in der Religion." Und bei ihren Recherchen nach einem geeigneten Projekt stieß sie auch auf manche dubiose Anbieter, "da hatte ich schon beim Kennenlernseminar das Gefühl, eine Gehirnwäsche verpasst zu kriegen". Doch mit Unterstützung der Eltern hat sie das Passende gefunden und reiste im März nach Sri Lanka und kam im Juni zurück.

Simone SchöllSie war von morgens halb sechs Uhr bis abends auf den Beinen, unterstützte im Büro, gab Nachhilfe in Englisch und betreute die Kinder, die zwischen fünf und 18 Jahren alt sind. "Obwohl mein Zimmer im Haus der Projekt- und Kinderheimleitern war, übernachtete ich doch oft im Heim", erzählt die Berghülerin. So entstanden einige sehr persönliche Beziehungen, denn "egal welche Vergangenheit die Kinder haben, jedes besitzt eine ganz wunderbare kleine Persönlichkeit". Die Heimreise nach dem dreimonatigen Praktikum fiel ihr schwer. Mit Wehmut denkt sie an die Kinder und weiß: "Irgendwann gehe ich noch einmal nach Sri Lanka."

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