Ein Bericht von Samuel Degen. 27.06.2011

Angels HomeUnd nun ist alles ganz anders. Bereits 2009 waren wir beim Besuch des Angels Home richtiggehend begeistert. Aber aus damals 18 Mädchen wurden nun über 40. Und erst der Neubau! Keine Enge mehr, lichtdurchflutete helle Räume, blitzeblank und überaus freundlich.

Wir kommen am Nachmittag des 12. Juni per Minibus. Aus meiner 51-köpfigen Reisegruppe, die ich am gelben Strand von Negombo im dazu vom Namen her gut passenden Goldi Sands untergebracht habe, melden sich 10, die Interesse haben, Julia und Linus in ihrem Angels Home in Marawilla zu besuchen. Diese Entscheidung war ebenfalls „gold“-richtig, darin waren sich danach alle mehr als einig.

Aber von vorne. „Hello everybody“ erschallt es aus den vielen Kehlen der Kinder, die sich brav in Reih und Glied im Hof des Angels Home zu unserer Begrüßung aufgestellt haben, nachdem sich das bunt bemalte Eingangstor bei unserem Eintreffen wie von Geisterhand öffnete, was jedoch verschmitzt lächelnde Kinder gut versteckt hinter den schweren Eisenflügeln bewerkstelligten. Die beiden Schäferhunde, gestrenge Wächter der Kinder, ziehen sich bei unserer Einfahrt die 50 Meter vom Tor zum Haus zurück, um uns dort beim aussteigen misstrauisch zu beobachten und durch verhaltenes bellen ihre Anwesenheit zu unterstreichen.
Julia und Linus warten schon auf uns, dann eine Begrüßung der besonderen Art. Seit vielen Jahren stehe ich mit Linus per Mail in Verbindung, nur persönlich haben wir uns noch nie getroffen. Vor zwei Jahren hatten wir uns nur knapp verfehlt, Linus erwartete mich mit meiner damaligen 7er Gruppe erst einen Tag später und war deshalb leider bei unserem damaligen Besuch nicht da.
Nun aber endlich. Vertrautes Händeschütteln, wenig einleitende Wortes sind nötig. Die Standartfragen nach dem warum, nach dem wie und dem wohin erübrigen sich, all das ist längst geklärt..

Zuerst ins Büro. Der einzige Ort, an dem Julia und Linus einen AC gekühlten Ort haben, an dem sie mit somit klarem Kopf mehr als 12 Stunden ihrer Hauptarbeit nachgehen; an dem alle Fäden zusammenlaufen. Korrekteste Ordnung, keine Verschwendung von Energie an irgendwelche unerledigten Papierberge.
Gleich nebenan ein neuer EDV Raum mit mehreren PC-Plätzen. Auch hier werden die Kids fit für die Zukunft gemacht. Wir gehen durch Gemeinschaftsräume, zur Bibliothek, die alle Vorstellungen einer solchen Einrichtung in den Tropen sprengt. Tausende, ja abertausende von englischsprachigen Büchern fein sortiert in mächtigen Regalen. Welch ein Schatz, welche Möglichkeiten.

Nun folgen die Schlafsäle, deren farblich freundliche Gestaltung diese doch zu recht behaglichen Orten der Träume werden lässt. Je zwei Mädchen teilen sich ein Doppelbett, wie auch einen Schrank. Immer sind ein kleineres und ein größeres Mädchen zusammen, so dass letzteres Hilfe und Anleitung geben kann.
Die drei Praktikantinnen aus Deutschland sitzen bei den Kindern am langen Tisch und betrachten uns freundlich. Anhand derer noch fast rein weißen Hautfarbe ist klar, dass sie noch nicht lange hier sind, die unerbittliche Sonne hinterlässt in diesen Breiten schnell ihre Spuren.

Die Kinder trinken Tee und freuen sich über unsere mitgebrachten Gummibärchen und Bleistifte, die sie noch lange in der Hand halten. Meine Kamera klickt und klickt. Linus kennt mich und weiß, dass ich die Fotos behutsam und überlegt im Sinne seiner Arbeit verwenden werde, ansonsten unterbindet er bei solchen Besuchen mit Recht das„abknipsen der Affen im Zoo“.
Es geht weiter durch das nagelneue Haus, überall die gleiche Sauberkeit und helle Atmosphäre. Im Krankenzimmer liegt ein Mädchen, dem geht es heute nicht so gut. Julia macht Faxen, das Mädchen lächelt. Linus erklärt und erzählt. Von den Anfängen, den Widrigkeiten, Höhen und Tiefen. Und dass das Paradies hier auch Hölle sein kann, wie in den zwei heftigsten Monaten des Monsums, an dem quasi das ganze Haus unter Wasser steht, nichts trocknet, die Moskitos den Körper martern und die Seele traurig ist. Da kommt schon Sehnsucht auf zum mildem Klima Zuhause, dem leckeren Essen von Muttern. Aber schnell weggewischte Gedanken, hier ist die Aufgabe, hier die Verpflichtung und somit sein Platz. Julia nickt und steht fest an seiner Seite. Welch ein Team, das keine Fassade spielt sondern ein Stück weit die Tür zum Ich öffnet.

Die Küche ist riesig. Gewaltige Töpfe, die fast aus einem Movie über Kannibalen stammen könnten stehen auf der Feuerstelle. Das Holz lagert in Mengen nebenan, ein rarer und somit wertvoller Rohstoff hier in Sri Lanka.
Im Garten dann das Hobby von Linus, seine Fischzucht. Da stehen große Aquarien mit prächtigen topischen Fischen, die er züchtet und verkauft. So kommen gut 80,- Euro im Quartal zusätzlich in die Kasse. Das macht Mut, so soll das Ganze nun um eine Hühnerzucht erweitert werden, Eier und Hühnerfleisch sind teuer in Sri Lanka und Essensreste könnten an die Hühner verfüttert werden.

BesucherIm Hof ein Gemurmel der Mädchen, wir werden erwartet. Aufgereiht stehen Stühle bereit, wir sollen Platz nehmen. Tee wird gereicht, Musik erklingt.
Und dann sind sie da. Die tanzenden Mädchen des Angels Home in ihren prächtigen Kostümen. Überrascht und mit großer Freude genießen wir die Darbietungen. Die Mädchen geben alles. Wir schwitzen schon beim zuschauen. Eine Leidenschaft der Kinder hier, ein Highlight in ihrem leider auch traurigen Leben im Heim. „Zuhause“ sind sie lieber wie hier im Heim, sagt Linus ehrlich. Trotz allerbester Bedingungen hier. Aber wo ist dieses Zuhause, da doch einige der Mädchen nicht mal ihren richtigen Namen kennen? Geschweige denn Vater und Mutter?
So sind Julia und Linus und die anderen Mädchen, die sie mit Schwester anreden, ihre Familie.

AngelsHome1Es wird Zeit zu gehen, die Kinder müssen sich noch vorbereiten, morgen ist Montag und damit Schule. Tief beeindruckt besteigen wir unseren Van und fahren vom Hof. Freundliches winken, ein schaler Geschmack im Mund, da müsste doch mehr geholfen werden. Ein kurzer Blick auf die Visitenkarte von Linus, dann gleich in die Hosentasche verstaut. Schön wäre es, diese Zuhause nicht mit dem anderen unnützen Papiermüll der Reise wegzuwerfen sondern einzusetzen für einen fruchtbaren Kontakt zu Julia und Linus, zum Angels Home for Children.

Viele Grüße von Samuel

www.samueldegen.de  www.patenkinder-matara.de

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in Besucher im Angels Home
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