Englisch Unterricht im Klassenzimmer


Meinen letzten Blogbeitrag über das Oktoberfest in Colombo habe ich mit dem Gedanken beendet, dass ich mich aktuell zwischen verschiedenen Lebenswelten bewege. Doch je länger ich hier bin – inzwischen sind es schon fast zwei Monate –, desto mehr merke ich, dass nicht nur die unterschiedlichen Orte und Lebensbedingungen meinen Alltag prägen. Auch ich selbst nehme innerhalb dieser Welten ganz unterschiedliche Rollen ein.

Im Angels Home bin ich Englisch-, Schwimm- und Yogalehrerin, Spielgefährtin, Ansprechpartnerin, Fotografin und manchmal einfach diejenige, die mit den Mädchen lacht und Blödsinn macht.

Gleichzeitig bin ich eine erwachsene Bezugsperson, die Verantwortung übernimmt, Orientierung gibt und Grenzen setzt. Diese unterschiedlichen Seiten gehören ganz selbstverständlich zu meinem Alltag. 

Dabei muss ich an den Soziologen Erving Goffman denken, der beschreibt, wie wir je nach Situation unterschiedliche soziale Rollen einnehmen und uns an den jeweiligen Erwartungen orientieren. Auch im Angels Home verändert sich mein Platz im Miteinander. Mal gebe ich den Rahmen vor, mal begleite ich eine Situation und manchmal darf ich einfach Teil des gemeinsamen Spiels sein.



Besonders deutlich wird mr das in den kleinen Momenten, wenn die Mädchen draußen Blätter, Stöcke und Steine sammeln und daraus eigene Spielideen entwickeln. Ohne vorbereitete Aktivität oder konkrete Anleitung entstehen dabei ihre ganz eigenen kleinen Welten. Manchmal sitze ich einfach mittendrin und mache mit, statt selbst etwas vorzugeben.

Kuchen aus Sand wird auch schon bei den Jüngeren gebacken
Palmenblattstränge dienen auch als Springseile

 Mit der Zeit wird mir immer bewusster, wie wichtig es ist, diese unterschiedlichen Rollen wahrzunehmen und zu hinterfragen. Denn pädagogische Arbeit bedeutet für mich nicht nur, anzuleiten oder Verantwortung zu übernehmen. Es bedeutet auch, Vertrauen entstehen zu lassen, auf die Bedürfnisse der Mädchen einzugehen und ihnen Raum für eigene Erfahrungen zu geben.

Vielleicht liegt genau darin eine meiner wichtigsten Lernerfahrungen hier: herauszufinden, wann es meine Aufgabe ist, Orientierung zu geben  und wann es genauso wertvoll ist, mich zurückzunehmen. Während ich die Mädchen in ihrem Alltag begleite, lerne ich so auch immer mehr über meine eigene Haltung und darüber,  wie ich später als Sozialarbeiterin Beziehungen gestalten möchte.