Vor ein paar Tagen habe ich das erste Mal im Angels Home übernachtet. So wurde ich dieses Mal nicht mit „Bye, Svenja“ verabschiedet. Die Mädchen haben sich gefreut, dass ich über Nacht bleibe und ich war ganz gespannt, wie der Abend und der Morgen nun ablaufen würde. Das wusste ich nämlich bisher nur in der Theorie, da ich gleich bei meiner Ankunft den Tagesablauf im Heim erhalten hatte.
Nachdem sich die Projektleiter und meine Mitpraktikantin von mir verabschiedet hatten, war ich mit einer Mitarbeiterin und den Kindern alleine. Als die Mädels mit der Gartenarbeit fertig waren, badeten sie in den neuen Waschbecken im Garten und wuschen dort ihre Wäsche.
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Anders als in Deutschland behalten die größeren Mädchen hier beim Waschen einen Teil der Kleidung an, da das Schamgefühl hier viel extremer ist. Nach dem Waschen hatten noch ein paar Kinder Hausaufgaben fertig zu stellen. Dazu saßen wir draußen auf der Bühne des Angels Home. Es war schön, dort zu beobachten, wie es immer dunkler wurde, bis man nur noch die Umrisse der vielen Palmen auf dem Grundstück des Angels Home erkennen konnte. Um 19 Uhr teilten sich die Kinder auf – unten beteten die Katholiken und oben die Buddhisten. Ich schloß ich mich der ersten Gruppe an. Danach half ich den Kindern, die Küchendienst hatten, noch ein wenig bei der Vorbereitung des Abendessens.
Es gab Karotten-Lauch-Gemüse in Kokosmilch mit Reis. Das war wirklich super lecker! Und ich habe eine extra große Portion bekommen. Da es in Sri Lanka eigentlich nicht so ist, dass man gemeinsam mit „Fremden“ an einem Tisch isst (auch hier ist das Schamgefühl ganz anders als in Deutschland), sitzen wir mittags immer mit einem kleinen Abstand zu den Kindern an einem Ende des langen Tisches. Um so erstaunter und freudig überraschter war ich, dass sich die Mädchen um mich herum setzten, sodass ich mich viel mehr als ein Teil von ihnen fühlte.
Nach dem Abendessen sind die Kleinen auch schon bald ins Bett gegangen, also gab es eine ganze Reihe von Gute-Nacht-Küsschen. Das war wirklich niedlich! Dann habe ich mich mit den größeren Mädchen hingesetzt und mit einer von ihnen bis kurz vor zehn Hausaufgaben gemacht, weil sie so viel auf hatte. Bruchrechnen in Mathe – das kam mir dann doch sehr bekannt vor! Anschließend sind auch wir ins Bett gegangen.
Am nächsten Morgen klingelte um 5.20 Uhr mein Wecker – viel zu früh für meine Verhältnisse! Nach Waschen und Anziehen fiel kurz der Strom aus, was aber wirklich Charme hatte, da es draußen noch dunkel war und wir bei Kerzenschein am langen Tisch saßen und unseren Tee tranken. Die Mädchen haben sich dann für die Schule fertig gemacht – Schuluniform anziehen, die meist sehr langen Haare kämmen und zu zwei Zöpfen flechten sowie Brotdose und Wasserflasche einpacken – und sind um 7.00 Uhr los gegangen.
Um halb acht bin ich zusammen mit der anderen Mitarbeiterin und vier Kindern im Tuk-Tuk los gefahren, um die restlichen Mädchen, die auf einer anderen Schule bzw. im Kindergarten sind wegzubringen. Dann waren wir noch kurz im Krankenhaus, Frühstück zu einem der Mädchen bringen, die über Nacht dort war (in den Krankenhäusern müssen die Patienten hier von ihren Angehörigen versorgt werden), und ein paar Sachen besorgen. Als wir um viertel vor neun wieder am Heim waren, musste ich erstmal noch eine Stunde ins Bett und als ich aufwachte, hatte der mir bekannte Tagesablauf einer Praktikantin schon begonnen...
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