Shakina Dilrukshi
Shakina wurde am 10.04.1999 geboren. Sie ist 7 Jahre und geht in Marawila zur Schule. Sie geht dort in die 2. Klasse und ist eine fleißige Schülerin.
Was man uns über Shakinas Vorgeschichte sagen konnte, war, dass der Vater verstorben ist und die Mutter wieder geheiratet hat. Aber man weiß weder den Namen des neuen Ehemannes noch den Wohnort. Shakina wurde einfach über Nacht alleine zu Hause gelassen. Da Shakina nicht zur Schule gekommen ist, was sehr selten vorkam, machten sich ihre Lehrer Sorgen und fuhren zum Elternhaus. Dort fanden sie das kleine Mädchen völlig verängstigt in einer Ecke sitzen! In den letzten Monaten wohnte Shakina mal bei der einen, mal bei einer anderen Lehrerin. Da die Lehrer jedoch nicht sehr viel verdienen, selber Kinder haben und auch kaum Platz, fragte man mich, ob wir die Kleine nicht bei uns aufnehmen könnten.
Für Shakina konnten wir Pateneltern finden!
Die Entwicklung von Shakinai im Jahr: 2007, 2008, 2009, 2010, 2011, 2012
Entwicklung Shakina (September 2007, geschrieben von Julia Fischer)
Shakina ist seit Januar 2007 im Angels Home. Sie gehört zu den jüngeren Kindern und geht gemeinsam mit Emesha, Hiruni und Anne in die 3.Klasse der nahe gelegenen Schule.
Shakinas Lieblingsfach ist Singhalesisch. Sie kann auch schon das ABC in englischen Großbuchstaben fehlerfrei schreiben und hat Spaß am Lernen. Wenn sie einmal groß ist, möchte sie gerne Singhalesisch-Lehrerin werden.
Am Nachmittag spielt Shakina am liebsten Volleyball und Springseil, wobei sie große Ausdauer unter Beweis stellt. Daneben malt und puzzelt sie sehr gerne. Ihre Lieblingsfrucht sind Woodappels.
Shakina weiß ziemlich genau was sie möchte und kann sich bei den anderen Kindern recht gut durchsetzen, manchmal leider auch etwas auf deren Kosten. Ansonsten ist sie ein sehr lebendiges Kind, welches man für jede neue Aktivität begeistern kann. Ihre Aufgaben im Heim erledigt sie stets sorgfältig und gewissenhaft.
Interview Shakina (Juni 2008, geschrieben von Stefanie Lippmann)
1. Was isst du gerne?
Shakina: Schokolade.
2. Was trinkst du gerne?
Shakina: Orangensaft.
3. Welche Farbe magst du am liebsten?
Shakina: Pink.
4. Wen magst du am liebsten von den Mädels im Heim?
Shakina: Chanchala, Saduni, Mali, Anne, Dinesha, Jeewa und Surangika.
5. Wen magst du am liebsten von den Angestellten im Heim?
Shakina: Ich mag alle.
6. Wenn du fliegen könntest, wo würdest du für zwei Wochen bleiben?
Shakina: In Deutschland.
7. Welches Tier magst du?
Shakina: Katzen.
8. Was möchtest du später werden?
Shakina: Mathematiklehrerin.
9. Was magst du in der Schule und im Angels Home?
Shakina: In der Schule Mathe und Singhalesisch, im Angels Home mag ich besonders die Freizeit.
10. Was spielst du gerne in deiner Freizeit?
Shakina: Elle.
11. Welchen Platz würdest du gerne einmal von Sri Lanka sehen?
Shakina: Matara.
12. Welche berühmte Person möchtest du einmal treffen?
Shakina: Pre deep Rangena, das ist ein singhalesischer Sänger.
13. Wenn du viel Geld hättest, was würdest du machen?
Shakina: Ein großes Haus für alle Kinder kaufen.
14. Wenn du für einen Tag der Chef vom Angels Home wärst, was würdest du im Heim anders machen?
Shakina: Ich würde mehr Gartenarbeit machen.
15. Welche Musik magst du?
Shakina: Singhalesische Musik.
16. Wenn du den singhalesischen Präsidenten treffen könntest, was würdest du ihm sagen?
Shakina: „Bitte mehr Liebe unter den Menschen."
Entwicklung Shakina (August 2009, geschrieben von Manuela Sinsel)
Shakina ist derzeit 10 Jahre alt und besucht die vierte Klasse der nahegelegenen öffentlichen Schule. Diese Klasse wiederholt sie derzeit, da ihre Noten letztes Jahr leider nicht gut genug waren, um in die fünfte Klasse vorzurücken. Dieses Jahr haben sich ihre Examensergebnisse etwas gebessert, jedoch sind ihre Noten weiterhin nur mittelmäßig. In ihrem Lieblingsfach Englisch konnte sie jedoch eine relativ gute Punktzahl erzielen und auch ihre Singhalesisch-Note kann sich sehen lassen. In der Nachhilfe hat sie uns in der ersten Stunde durch ihre Unlust stark getäuscht. Da sie in dieser Stunde wohl ihre Grenzen bei uns neuen Praktikanten testen wollte, etwas, das sie hin und wieder ganz gerne tut, hat sie kaum mitgearbeitet und die einfachsten Aufgaben nicht gelöst. Umso überraschter waren wir dann, als sie in der nächsten Stunde sehr viel Geschick bei den Mathe-Aufgaben bewies und großen Fleiß zeigte. Ab da arbeitete sie auch zumeist gut mit und wollte gelegentlich sogar in ihrer Freizeit ein paar Extra-Aufgaben haben.
Auch in Englisch ist sie ziemlich gut. Sie stellt sich beim Lesen recht geschickt an und kann sich ziemlich gut neue Wörter merken. Leider lässt ihre Motivation schnell nach, wenn sie nicht mehr die ganze Aufmerksamkeit für sich beanspruchen kann, sondern sich die Praktikanten auch um die anderen Kinder kümmern. Auch ihre Bemühungen ihr Englisch sprachlich umzusetzen, lassen leider zu wünschen übrig, da sie meist keine Lust hat sich anzustrengen und sich lieber von einem der älteren Mädchen übersetzen lässt oder uns einfach auf Singhalesisch anspricht, obwohl wir wissen, dass sie es eigentlich besser könnte.
Zu ihren Lieblingsaufgaben im Heim gehören das Wäschewaschen und der Hausputz, allerdings lässt sie sich dabei leicht ablenken und arbeitet auch hier am liebsten nur, wenn einer von uns mitarbeitet oder sie zumindest beobachtet. Dafür ist sie umso besser darin, andere herumzukommandieren und man merkt ihr recht schnell an, dass sie genau weiß, was sie will und dass sie einen ziemlichen Dickkopf haben kann. So kann sie auch ziemlich schnell trotzig reagieren, wenn etwas nicht nach ihrem Willen geht. Man muss jedoch dazu sagen, dass sie generell nicht sehr nachtragend ist und die meisten Vorfälle kurze Zeit später wieder vergessen sind.
Für das neue Heim wünscht sich Shakina viele Computer und man merkt ihr ihre Technikbegeisterung, die sie mit vielen der anderen teilt, an, wenn sie fast jeden Tag zu uns kommt und fragt: „Camera?" Auch einem großen Swimmingpool gegenüber wäre sie nicht abgeneigt und ihrem Temperament würde eine kleine Abkühlung gelegentlich gar nicht schaden. Außerdem liebt sie es sich zu bewegen und spielt deshalb sehr gerne mit den anderen Kindern Elle, Verstecken oder Hüpfspiele im Sand des Hofs, bei denen sie uns regelmäßig besiegt. Sie hat ein lustiges, manchmal ziemlich verschmitztes Lachen, jedoch kann man sie nicht gerade als guten Verlierer bezeichnen und wenn sie merkt, dass sie in einem Spiel hinten liegt, verschwindet dieses Lachen häufig recht schnell aus ihrem Gesicht. Als Hobby gab sie uns gegenüber an Briefmarken zu sammeln, allerdings müssen wir uns diese Sammlung erst noch zeigen lassen. 
Mit den Anderen scheint sie sich gut zu verstehen, auch wenn sie manchmal eine kleine „Meckerziege" ist und sich dadurch selbst manchmal etwas ins Abseits stellt. Aber wie schon erwähnt: es ist immer schnell alles wieder vergessen und gerade wenn es Anderen nicht gut geht, kann sie sich rührend um die kranken Mädchen kümmern.
Wenn sie erwachsen ist, würde sie gerne nach Italien gehen, um dort als Mathematik-Lehrerin zu arbeiten und fast kann man sich schon vorstellen, wie sie, wild gestikulierend, auf der Straße mit ihren Nachbarn diskutiert.
Entwicklung Shanika (Juni 2010, geschrieben von Sophie Mörbe und Julia Fischer)
Shakina ist im April 11 Jahre alt geworden und besucht als einziges Mädchen aus dem Angels Home for Children die 5. Klasse der öffentlichen Schule in Mudukatuwa. Altersmäßig wäre sie zwar gemeinsam mit Emesha eine Klassenstufe höher, jedoch musste sie die 4. Klasse wiederholen, weil ihre Leistungen damals nicht ausreichten.
Shakina hat sich, wenn man sich daran erinnert, wie sie letztes Jahr war, sehr gut entwickelt. Sie ist nicht mehr so extrem launisch und zickig, sie streitet weniger mit den anderen Mädchen und fordert auch nicht mehr so viel Aufmerksamkeit ein. Außerdem ist Shakina in letzter Zeit ganz besonders positiv bei der Englischnachhilfe aufgefallen. Ihr Englisch ist deutlich besser geworden, sie ziert sich nicht mehr so, englisch zu sprechen und hat sogar mittlerweile Spaß am Lernen und kann manchmal gar nicht genug bekommen. Shakina freut sich, etwas Neues zu lernen und kann sogar ihrer Nachhilfepartnerin Emesha das Eine oder Andere erklären bzw. sie dazu bewegen, mitzuarbeiten. Shakina spricht nicht nur besser, sondern ist auch im Schreiben relativ gut.
Momentan wiegt Shakina 25 kg bei einer Körpergröße von 1,38 m, womit sie eher zu den zierlichen Mädchen im Heim gehört. Gesundheitlich hat sie jedoch keine Probleme, was man schon daran merkt, dass sie ein richtiges kleines Energiebündel ist, das bei jeder Art von Beschäftigung sofort dabei ist.
Shakina findet sehr schnell Kontakt zu den Praktikantinnen und genießt deren Aufmerksamkeit. Ansonsten hat Shakina ihr Herz ganz an Sapu (Lattas 1,5-jähriger Sohn) verschenkt. Sie liebt den Kleinen wirklich sehr und lässt ihn nicht aus den Augen, wenn ihn Latta mal mit ins Heim bringt. So kann es vorkommen, dass Shakina sich den ganzen Sonntag sehr verantwortungsbewusst und liebevoll um den Kleinen kümmert.
Shakina gehört irgendwie noch nicht ganz zu den großen, aber auch nicht mehr richtig zu den kleinen Mädchen. Wenn es ums Tanzen geht, kann sie es sehr wohl schon mit einer Chanchala oder Surangika aufnehmen, in anderen Bereichen genießt sie es jedoch, noch voll und ganz Kind sein zu dürfen.
Neben der einmal wöchentlich stattfindenden Englisch-Nachhilfe mit Praktikantinnen erhält Shakina gemeinsam mit anderen Mädchen Nachhilfe im Fach Mathematik von einer singhalesischen Lehrerin. Außerdem nimmt sie am 3-stündigen Tanzkurs teil, der immer freitags um 15 Uhr stattfindet. Probehalber lassen wir Shakina momentan auch am Computerunterricht jeden Sonntag-Vormittag teilnehmen. Es fällt ihr allerdings noch sehr schwer, die technischen Zusammenhänge und Abläufe zu verstehen, weshalb wir uns noch nicht sicher sind, ob Shakina tatsächlich im Kurs bleibt oder ob sie einfach noch 2 Jahre wartet und es dann erneut versucht.
Entwicklung Shakina (Juli 2011, geschrieben von Bettina Hansel)
Seit Anfang des Jahres besucht nun auch Shakina das katholische Mädchen-Convent in Marawila, da sie es gemeinsam mit Kavindiya geschafft hat, den doch recht schwierigen Aufnahmetest zu bestehen. In Vorbereitung auf diese Prüfung hat sie großen Ehrgeiz gezeigt und alle waren sehr stolz auf sie, als sie es tatsächlich geschafft hat. In einem Gespräch mit Shakina gibt sie an, gerne auf die neue Schule zu gehen. Ihre Leistungen sind ihrer Ansicht nach besser geworden und das Lernen macht ihr Spaß.
Shakina ist 144 cm groß und hat ein Gewicht von 30 kg. Ihre körperliche Entwicklung verläuft somit bislang völlig normal.
In der Englisch-Nachhilfe fällt auf, dass sie im Lesen und Schreiben für das, was sie in ihrer Jahrgangsstufe können müsste, zwar Defizite aufweist, jedoch im Vergleich zu den anderen Mädchen in ihrem Alter durchschnittliche Englischkenntnisse hat. Im Verstehen und Sprechen ist sie sehr gut. Sich lange am Stück zu konzentrieren, fällt Shakina schwer, sodass sie oft nach wenigen Minuten schon nicht mehr bei der Sache ist. Wenn etwas nicht so läuft, wie sie sich das vorstellt oder sie etwas nicht auf Anhieb kann, reagiert sie schnell eingeschnappt, sodass man sie nur mühsam zur weiteren Mitarbeit bewegen kann. Wenn ihr etwas Spaß macht, wie eine gewisse Leseübung mit Wortkarten, bekommt sie aber auch wieder einen Motivationsschub und ist dann sehr engagiert dabei.
Shakina möchte nach Beendigung der Schullaufbahn gerne Lehrerin werden. Für eine konkrete Festlegung auf einen Ausbildungswunsch bleibt ihr allerdings noch etwas Zeit, zumal sie noch ein paar Schuljahre vor sich hat.
Neben der Englisch-Nachhilfe nimmt Shakina mit großer Freude am heimeigenen Tanzunterricht teil. Der im vergangenen Jahr begonnene Computerkurs wurde mittlerweile wieder abgebrochen, da Shakinas Englischkenntnisse und auch das technische Verständnis noch nicht ausreichten, um mit einem Computer zu arbeiten. Eventuell kann man aber in 1-2 Jahren einen neuen Kurs beginnen, an dem Shakina dann wieder teilnehmen kann. Vorerst besucht sie nun die zusätzliche Nachhilfe in den Fächern Singhalesisch und Mathematik.
In ihrer Freizeit ist Shakina bei den Spielen der anderen Kinder immer gerne dabei. Besonders viel Spaß bringen ihr aktive Lauf- und Fangspiele, sowie das Brettspiel Carrom, eine Art Tischbillard.
Leider hat Shakinas positive Entwicklung aus dem vergangenen Jahr nicht in allen Bereichen angehalten. Beispielsweise kommt es zurzeit wieder häufiger vor, dass sich Shakina mit anderen Kindern zankt. Dies passiert insbesondere mit Gleichaltrigen, die ein ähnliches Temperament besitzen, wie sie. Shakina ist dann oft eingeschnappt, beispielsweise wenn sie sich im Spiel ungerecht behandelt fühlt. Ihre „Zickigkeit“ geht manchmal sogar so weit, dass sie auch das Personal beschimpft und Aufforderungen nicht nachkommt. Zum Glück ist Shakina jedoch nicht nachtragend, sodass all diese Streitigkeiten auch schnell wieder vergessen sind.
Ein weiteres Problem ist Shakinas Ordnungssinn. Bis vor Kurzem musste man sie deshalb fast täglich ermahnen, da sie das regelmäßige Aufräumen ihres Schul- und Kleiderschrankes stark vernachlässigte. Als man ihr nach Malis Auszug jedoch ein großes Stück Verantwortung zugeteilt hat und sie zur Gruppenleiterin für sechs Mädchen einteilte, hat sie sich in Sachen Sorgfalt und Zuverlässigkeit zunächst um 180° gedreht. Ihre Schränke sind daraufhin kein einziges Mal mehr negativ aufgefallen. Leider hielt diese Motivation jedoch nicht allzu lange an und mittlerweile erscheint Shakinas Name schon wieder täglich auf der Liste der unordentlichen Kleiderschränke. Nun muss beobachtet werden, wie sich das Ganze weiter entwickelt. Es wäre schade, wenn man ihr den Posten des Gruppenleiters wieder entziehen müsste und sicherlich würde das auch nicht gerade zur weiteren Positiv-Entwicklung von Shakina beitragen.
Entwicklung Shakina (Juli 2012, geschrieben von Julia Fischer)
Auch Shakina ist eines der wenigen Mädchen, die schon von Anfang an bei uns ist und die ersten Jahre noch im alten Angels Home verbracht hat. Sie lebt bereits seit 6 Jahren im Kinderheim und ist mittlerweile 13 Jahre alt. Mit einer Größe von 1,51 m und einem Gewicht von 38 kg ist Shakina zwar recht dünn, aber dennoch normal entwickelt und auch sonst vollkommen gesund.
Shakina ist definitiv ein Mädchen, dem man seine negativen Erfahrungen aus der Vergangenheit bis heute noch anmerkt. Zwar ist sie eigentlich herzensgut und kümmert sich rührend um die jüngeren Mädchen im Angels Home, auf der anderen Seite kann sie aber auch nach wie vor noch ihre Wutausbrüche bekommen oder andere typische Verhaltensauffälligkeiten an den Tag legen. Es ist dann sehr schwer, wieder einen Zugang zu ihr zu bekommen und man hat das Gefühl, dass sie ihr eigenes Negativverhalten dann auch selbst gar nicht wahrhaben möchte bzw. verdrängt. Oft behauptet sie bis zum Schluss, etwas Bestimmtes nicht getan zu haben oder die Schuld an etwas zu tragen, obwohl die Tatsachen klar auf der Hand liegen. Nicht nur für sie, sondern auch für uns ist es schwierig, damit umzugehen. Aus diesem Grund besucht Shakina seit ca. einem Monat alle zwei Wochen eine Beratungsperson im Krankenhaus von Marawila. Dort soll sie mit einer externen Person über ihre Gedanken und Probleme sprechen können, was bisher allerdings noch nicht sehr erfolgreich war.
Wie auch bei allen anderen Mädchen, die schon sehr lange im Angels Home leben, habe ich mich im Vorfeld zum diesjährigen Statusbericht über Shakina besonders mit der singhalesischen Akte auseinandergesetzt, welche von unserem Personal geführt und gelegentlich vom Jugendamt kontrolliert wird. Sie gibt vor allem Aufschluss über die Familiensituation des Kindes, die sich im Laufe der Jahre erheblich ändern kann.
Shakina hatte all die Jahre, die sie bei uns untergebracht ist, immer wieder sporadischen Kontakt zu ihrer Mutter. Diese wurde damals vom Amt ausfindig gemacht, nachdem sie ihre Tochter allein zu Hause zurück gelassen hat. Seither kam sie hin und wieder zu den Besuchstagen ins Angels Home und auch die Ferien durfte Shakina teilweise – wenn auch nie vollständig – zu Hause verbringen. Shakinas Mutter ist noch immer mit dem Mann zusammen, mit dem sie damals abgehauen ist und der Shakina auch schon vorher nicht gut behandelt hat. Mittlerweile haben die beiden sogar zwei gemeinsame Kinder – einen Jungen von ca. 7 Jahren und ein Mädchen von etwa 2 Jahren. Es scheint das typische Schicksal von vor- oder unehelichen Kindern zu sein: Während sie selbst zu Verwandten oder in ein Heim abgeschoben werden, dürfen die folgenden gemeinsamen Kinder zu Hause leben. Wie wir vor einiger Zeit erst herausgefunden haben, hat Shakina auch noch einen älteren Bruder, der ebenfalls aus erster Ehe der Mutter stammt und seit einigen Jahren bei Shakinas Großmutter mütterlicherseits untergebracht ist. Diese hat jedoch große Probleme mit ihm, da er kriminelle Züge aufweist und häufiger mit der Polizei aneinander gerät.
Shakina selbst spricht nicht sehr gerne über ihre Familiensituation und unser Personal empfindet außerdem eine große Wut ihrerseits gegenüber der Mutter und den jüngeren Geschwistern. Während eines Besuchstages vor einigen Monaten muss Shakina wohl auch regelrecht ausgerastet sein und ihre Mutter beschimpft haben. Sie hat sie gefragt, weshalb sie selbst hier in einem Heim groß werden muss, während sie ein Kind nach dem anderen in die Welt setzt. Es war zu dem Streit gekommen, da Shakinas Mutter ihre Tochter in den Ferien nicht nach Hause holen wollte. Seitdem herrscht wieder einmal Funkstille und die Mutter nimmt auch ihr Besuchsrecht nicht mehr wahr.
Mit Sicherheit belastet Shakina diese Situation, aber sie versucht, es sich nicht anmerken zu lassen und ich bin mir sicher, dass es ihr langfristig besser gehen würde, wenn sie gar keinen Kontakt mehr zu ihrer Mutter hätte. Vielleicht würden sich dann auch ihre Stimmungsschwankungen und Verhaltensauffälligkeiten einstellen, denn sicherlich hat das Eine viel mit dem Anderen zu tun.
Trotz aller Schwierigkeiten, die wir mit Shakina manchmal haben, ist sie doch irgendwie zu einem wichtigen Teil der Heimfamilie geworden. Sie kann sehr einfühlsam, sensibel und fürsorglich sein, wenn es darum geht, sich um kranke oder jüngere Mädchen zu kümmern. Einen besonderen Status hat sie bezüglich ihrer Verantwortung für Sandiya erreichen können. Die Matron und auch alle anderen vom Personal sind der Meinung, dass Shakina ihre Rolle als große Schwester am besten erfüllt und stets ein Auge auf Sandiya hat. Sie hilft ihr hingebungsvoll beim Wäschewaschen, Bettenmachen und beim Aufräumen des Kleiderschranks. Es ist vielleicht auch ein Versuch seitens Shakinas, uns zu zeigen, dass sie doch Verantwortung übernehmen kann. Nachdem sie nämlich Anfang 2011 zur Teamleiterin einer Gruppe von 6 Mädchen ernannt wurde, mussten wir ihr diesen Posten nach wenigen Monaten wieder entziehen, da es doch nicht so klappte, wie wir es uns gewünscht haben. Nun ist Rashani die Anführerin ihrer Gruppe, womit Shakina jedoch auch ganz gut zurecht zu kommen scheint.
Es wäre schön, wenn Shakina in Zukunft ihre liebenswerten Eigenschaften noch weiter ausbauen und innerlich mit den negativen Erfahrungen ihrer Vergangenheit abschließen könnte. Wir hoffen, dass ihr die Beratungsstunden dabei helfen werden.



Unterstützt das Dry Lands Project e.V. mit euren Online-Einkäufen (z.B. bei Amazon, Otto und vielen anderen Teilnehmern).