An meinem ersten Tag in Marawila hat Julia mir das Angels Home gezeigt. Die Lage des Kinderheims ist traumhaft schön: das Haus ist umgeben von einem Kokosnusspalmenwald, liegt ca. 700 m vom Meer entfernt und man kann das Rauschen des Meeres hören. Das Grundstück selber hat einen großen, schön angelegten Garten mit vielen schattigen und grünen Plätzen, ein Volleyball- bzw Netballfeld und viel Platz für mehr.
Der Bau auf dem Nachbargrundstück wächst und wächst und es ist schön die Freude der Mädchen aber auch die von Frank & Julia und den anderen Angestellten zu beobachten - alle freuen sich auf das neue Gebäude, welches viele neue Möglichkeiten wie z.B. einen Computerraum, eine neue Bibliothek, einen Handarbeitsraum und vieles mehr für eine gute Ausbildung der Mädchen bietet.
Die Mädchen haben mich am ersten Tag mit Blumen empfangen, was ich als eine sehr schöne und einladende Geste empfunden habe. Dann hat sich jede einzelne mit Namen vorgestellt. Ich habe versucht ihre Namen zu wiederholen, doch das war gar nicht so einfach und Dank Julias Unterstützung habe ich es einigermaßen gemeistert. Einige Mädchen haben sich die nächsten Stunden etwas zurückhaltend gezeigt und einige andere haben mich gleich zum Spielen aufgefordert. Die Mädels sind alle sehr höflich und machen auf den ersten Blick einen zufriedenen und glücklichen Eindruck - obwohl es bestimmt bei allen eine schmerzende und quälende Vergangenheit gibt. Auch wenn man ihre Sprache nicht spricht, was in einigen Situationen sehr schade ist, glaube ich trotzdem, dass man durch Beobachten und Fühlen einiges erfahren aber auch kommunizieren kann.
Da meine Ankunft hier am Samstag war, habe ich gleich die Abläufe der Wochenenden kennen gelernt. Oftmals werden gemeinsame Aktivitäten und Spiele unternommen und somit kam ich gleich in den Genus mit den Mädels „Netball" zu spielen. Das ist eine einfache Variation von Basketball und erinnert ein wenig an Beach Volleyball im Sand. Es war ein sehr schöner Einstieg und somit konnte ich einige Mädels und ihre Namen gut kennen lernen und ich muss gestehen, dass mich die sportlichen Aktivitäten selber hoch motivieren J Ebenfalls ist es ein schönes Gefühl einfach mitten drin zu sein und zu sehen, wie engagiert und voller Freude einige Mädchen sind. Anschließend durfte ich noch die Erfahrung machen, wie spontan und laut doch 20 singende und feiernde Mädels sein können. Von einem Moment auf den anderen sind sie auf einem Anhänger gesprungen und haben getanzt und laut gesungen - es war schön den ihnen bei der spontanen kleinen „Party" zu zusehen.
Nun lerne ich die täglichen Abläufe in der Woche kennen und freue mich auf den Nachhilfeunterricht mit den Mädels.
Ich weiß, dass man in einer kurzen und begrenzten Zeit von 5-6 Wochen nicht sehr viel bewirken kann, aber dennoch bin ich davon überzeugt, dass jeder von jedem lernen kann - egal in welcher Hinsicht und unabhängig von Sprache, Kultur, Alter und Geschlecht. Man sollte nur offen sein für Neues.
Mit folgendem Spruch möchte ich meinen ersten Bericht beenden:
Wenn ein Kind ...
Wenn ein Kind kritisiert wird, lernt es, zu verurteilen.
Wenn ein Kind angefeindet wird, lernt es, zu kämpfen.
Wenn ein Kind verspottet wird, lernt es, schüchtern zu sein.
Wenn ein Kind beschämt wird, lernt es, sich schuldig zu fühlen.
Wenn ein Kind verstanden und toleriert wird, lernt es, geduldig zu sein.
Wenn ein Kind ermutigt wird, lernt es, sich selbst zu vertrauen.
Wenn ein Kind gelobt wird, lernt es, sich selbst zu schätzen.
Wenn ein Kind gerecht behandelt wird, lernt es, gerecht zu sein.
Wenn ein Kind geborgen lebt, lernt es, zu vertrauen.
Wenn ein Kind anerkannt wird, lernt es, sich selbst zu mögen.
Wenn ein Kind in Freundschaft angenommen wird, lernt es, in der Welt Liebe zu finden.
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